Dienstag, August 16, 2016

Ein Wochenende in Braunschweig

Neben den großen Trips nach Stockholm im vergangenen Mai und in die Toskana in zwei Wochen stehen diesen Sommer und Herbst - mal wieder - auch viele kleine Touren und Ausflüge im Inland an. Im Juni ging es ja schon für ein Wochenende nach Hamburg und im Juli für einen langen Kunsttag nach Halle, jetzt stand Braunschweig auf dem Plan. Hier haben wir meine Schwester und ihren Freund besucht.

Braunschweig ist immer wieder überraschend schön. Klar, es gibt viele Nachkriegsbausünden, aber auch tolle historische Flecken (z.B. das Magniviertel, das Areal rund um den Burgplatz) und viel Grün (Botanischer Garten, Bürgerpark, Inselwall, alles entlang der Oper). Auf dem Bild sind der Bammelsburger Teich und Löbbeckes Villa am Inselwall zu sehen.

Freitag- und Samstagabend ging es auf die dritte Ausgabe des Braunschweiger Bierfestes auf dem Platz der Deutschen Einheit, direkt neben Dom und neuem Rathaus. Hier gab es wie schon im vergangenen Jahr eine beeindruckende Auswahl internationaler Biersorten und verschiedenster Braustile; man könnte aber zugunsten der Menschenmengen das Veranstaltungsareal ein bisschen auf den anliegenden Domplatz ausweiten.

Samstag wurde ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt, danach ging es zu Fuß in den Botanischen Garten. Der Weg dahin führte über einen malerischen Umweg immer direkt an der Oker entlang über den Inselwall, den Gaußberg und durch ein Villenviertel. Der Botanische Garten selbst ist auch sehr schön angelegt. Von dort ging es dann mit dem Tretboot die Oker rund eine Dreiviertelstunde hinauf und anschließend wieder zurück. Auch von hier gab es viel Grün (Theater- und Museumspark, Löwenwall, Bürgerpark) zu sehen. 

Gut und gemütlich essen und trinken kann man in der Braunschweiger Innenstadt z.B. in der Rheinischen Republik - allen Fleischessern empfehle ich hier gemischte Abendbrotplatte für vier Personen mit allerlei Fleisch, Wurst, Kraut, Käse und Gemüse, dazu passt ein Schlösser Alt. Lecker ist es auch direkt daneben bei Corvin's Burger & Beer, wo es eine gute Auswahl sehr leckerer Burger und weiterer Gerichte gibt. Die Bierauswahl ist hier, entgegen dessen, was man anhand des Namens erwarten könnte, überschaubar. Vom Fass gibts Wolters und Alster, aus der Flasche neben Zwickel und Carlsberg ein Großteil des Maisel-Sortiments (Hefe, Pale Ale und die drei Specials aus der 0,75l-Flasche für je einen Zehner).

Donnerstag, August 11, 2016

Oh je - Ich teste ein Abnehm-Produkt! (Teil 2)


Der Selbsttest - Start am 21. Juli 2016

Tag 1, vormittags - Der erste halbe Liter Dr. Slym ist vertilgt. Dank des mitgelieferten Messbechers lassen sich die 30ml gut dosieren. Das Getränk schmeckt okay und sieht Gott sei Dank nicht nach einem Diät-Getränk aus, sondern wie Früchtetee oder Saftschorle. Ich merke, dass ich nichts im Bauch habe und noch habe ich nicht das Gefühl, dass die Glucose im Gehirn tut, was sie soll.

Tag 1, abends - Mein Magen fühlt sich sehr leer an und krampft ein bisschen. Hunger habe ich aber nicht und fühle mich auch nicht unkonzentriert. Jedoch merke ich, dass ich an einem Tag wie heute keinen Sport machen könnte. Und wären es wie gestern 33°C gewesen, hätte ich das auch nicht durchgezogen. Ich bin gespannt auf morgen.

Tag 2, morgens - Ich bin heute Morgen erstaunlicherweise nicht hungrig aufgewacht, dafür aber mit einer fast platzend vollen Blase. Vier Liter trinken - zwei Liter Dr. Slym und zwei Liter Wasser - ist ganz schön heftig. Und dabei trinke ich normalerweise immer viel Wasser und Tee, mindestens zwei Liter täglich. Der Hunger haut ganz schön rein und es wächst die Sehnsucht, in etwas Herzhaftes richtig schön reinzubeißen. Aber die erste Portion Dr. Slym ist schon aufgegossen ;) 

Tag 2, später Abend - Ich habe überraschenderweise immer noch keinen Hunger verspürt. Den Geschmack des Getränks habe ich aber schon ein bisschen über.

Tag 3 - Feste Mahlzeiten! Zum Frühstück gab es ein Kräuterrührei und am späten Nachmittag Rindercarpaccio mit Rucola und italienischem Hartkäse. Ansonsten viel Wasser und zwischen den zwei Mahlzeiten einen Liter Dr. Slym. Abends im Pub wird mit zwei Bier gesündigt. Trotz Ganztagsausflug bei großer Wärme nach Halle mit zwei Museen und viel Laufen fühle ich mich gut.

Tag 5 - Montag. Ich überlege, wie ich die Ernährungsumstellung in meinen Job integriere. Morgens soll es die ganze Werkwoche Dinkelmüsli geben, mittags wahlweise Salat, mediterrane Gemüsepfanne mit Hähnchenbrust oder Vergleichbares. Die zweite Tageshälfte werde ich jeweils mit Dr. Slym bestreiten.

Tag 6 - Bisher bin ich erstaunlich diszipliniert, habe ich einmal Süßes oder Fettiges genascht. Der Körper hat sich gut auf die geringere Kalorienzufuhr eingependelt und meldet sich selten mit Hungergefühl. Dr. Slym ist immer noch erträglich. Erste Straffungserscheinungen an Haut und Gewebe bilde ich mir bereits auch schon ein ;)

Tag 8 - Alles läuft sehr routiniert. Mich umzustellen, hat unterm Strich keine woche gedauert. Bisher gab es noch keine Heißhungerattacken auf Zuckriges oder Fettiges. Auch weitestgehend auf Alkohol zu verzichten, fällt mir nicht schwer.
 
Tag 10 - Es ist wieder Sündigungssamstag! Mittags gibt es einen hausgemachten vegetarischen Burger mit Salat und ohne Pommes, abends wird gegrillt (Bratwurst! Hähnchensteak und Grillgemüse, dazu Brot) und Alkohol konsumiert.

Tag 13 - Auch diese Werkwoche wird mit Dinkelmüsli und Obst als Frühstück und Salat, Gemüse, o.ä. als Mittagessen bestritten, am Abend kommt der Dr.Slym. Sonderlichen Verlust von Körperumfang merke ich bisher noch nicht wirklich.

Und? Wird's noch was? Das zeigt vielleicht schon Teil 3 des Tests...

Sonntag, August 07, 2016

Coole Popsongs aus den frühen 2000ern (1)

... die ich schon fast wieder vergessen hatte.

Jennifer Lopez "Ain't it funny" - sowohl die hispanisierende Albumversion, die sehr inspirierend für meinen damaligen Zeichenstil war (und wegen der ich eine Hüfthose haben wollte), als auch der obercoole Remix mit Ja Rule. Was macht der eigentlich?


Jennifer Lopez - Ain't It Funny von Juliajulia


jennifer lopez - Ain't it funny (featuring Ja... von aimen-06

Donnerstag, August 04, 2016

Ein Wochenende in Halle

Von Erfurt aus ist man mit dem Regionalzug in ziemlich genau anderthalb Stunden in Sachsen-Anhalts heimlicher Landeshauptstadt Halle. Die ist bekanntlich besser als ihr Ruf und für Kunst ein weitaus besseres Pflaster als Erfurt, deswegen zog es uns an einem sommerlichen Samstag im Juli dorthin.

Auf dem Programm stand u.a. die "Magie des Augenblicks"-Ausstellung mit modernen Gemälden und Drucken mehr und weniger bekannter französischer Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. Die kleine, aber feine Ausstellung hatte zwischen teilweise recht belanglosen Arbeiten die ein oder andere Perle zu bieten. Die auf den Werbematerialien beworbenen Cezannes, Rodins und Van Goghs sind natürlich wesentlich spärlicher vertreten als die B-Riege. Noch bis zum 11. September kann die Ausstellung in der Stiftung Moritzburg - einem der schönsten Kunstmuseen Deutschlands - besucht werden.

Felix Vallottons "La Blanche et la Noire" (Stiftung Moritzburg)

Anschließend ging es mit der Tram in den Norden der Stadt, in den Kunstverein "Talstraße" ganz in der Nähe der Burg Giebichenstein. Hier wurde noch bis 24. Juli eine Ausstellung zum Werk Rudolf Schlichters gezeigt, unter den Schlagworten "Eros & Apokalypse". Tatsächlich reicht sein Werk von sexuell expliziten Grafiken bis hin zu großformatigen, surrealistischen Endzeitvisionen. Zum Museum gehören ein Café und ein wunderschöner Skulpturengarten an einem recht steilen Hang, von wo aus man einen tollen Blick über die umliegenden Hügel und Stadtteile hat.

Skulpturengarten des Kunstvereins Talstraße

Nach einem Pizzaria-Besuch auf Halles Gastro-Meile, der kleinen Ulrichstraße, spazierten wir noch etwas durch die Altstadt, die von malerisch schönen Gründerzeitbauten, hier und da einem Haus aus früheren Jahrhunderten und immer wieder eingesprengten Plattenbauten gekennzeichnet ist. Zu entdecken gibt es hier viel, etwa den unglaublich merkwürdigen Halleschen Dom oder den idyllischen Kunstgarten in der Neuen Residenz (mit Ausschank!). Für Bierliebhaber empfehle ich das Connoisseur in der Kleinen Ulrichstraße oder das Hallesche Brauhaus.

Der Hallesche Dom

Montag, August 01, 2016

Oh je - Ich teste ein Abnehm-Produkt! (Teil 1)

!!! Zu allererst: Das ist kein bezahlter Werbe-Beitrag. Ich habe das beschriebene Produkt nach langen Netzrecherchen aus vielen verschiedenen Konkurrenzprodukten ausgewählt und es zum normalen Verkaufspreis bei unser aller Lieblingsversandhändler bezogen !!!

Vorgeschichte
Jetzt ist aber gut hier. Es ist Hochsommer, ich kriege keine einzige kurze Hose über den Hintern, ein paar sehr liebgewonnene Kleider gehen nicht mehr zu. Seitdem ich berufstätig bin, locken ständig die Büffets auf Veranstaltungen, die ich dienstlich besuche, und der Geburtstagskuchen der Kollegen in der Küche. Ich besitze keine Personenwaage, aber die brauche ich auch nicht, um den schleichenden, aber steten Aufwärtstrend des imaginären Zeigers zu sehen.

Was tun?
Ich bin mittlerweile leider mit einer leidlichen Selbstdisziplin gesegnet. "Nein" zu sagen, fällt mir sehr schwer, und es ist halt auch immer etwas Verlockendes im Kühlschrank - meinem Partner kann ich ja schlecht verbieten, Schokolade & Co. zu kaufen. Also habe ich mich mehr und mehr mit dem Gedanken angefreundet, eines der viel beworbenen Produkte zur Gewichtsreduzierung und -kontrolle auszuprobieren. Dahinter steckt die Intention, dass ich es (hoffentlich) wirklich durchziehe, wenn ich dafür Geld ausgegeben habe. Über verschiedene Alternativen habe ich mich belesen und sie dahingehend verglichen, was wohl am besten zu mir passt.

Meine Wahl ist auf Dr. Slym gefallen. Warum?
  • Es gibt keine hellbraune Pampe, keinen umständlich anzurührenden Shake als Mahlzeitenersatz.
  • Das Produkt und viele Testberichte, von denen einige auch einen authentischen Eindruck machten, versprechen eine stetige, nachhaltige Wirkung.

Wie funktioniert's?
Das Produkt besteht in einem roten Sirup, den man in Abmessungen von 500ml (ca. 18 Euro) oder 1000ml (ca. 36 Euro) kaufen kann. Dieser ein bisschen an Holunder erinnernde Sirup mit Wasser verdünnt soll dem Gehirn einen Streich spielen: Unser Hungergefühl resultiert aus einem Glucosemangel. Das Getränk führt dem Körper ausreichend Glucose zu, um den (Heiß-)Hunger in Zaum zu halten und das Hirn gut zu versorgen.

Die ersten zwei Tage lässt man jegliche feste Nahrung weg. Man trinkt stattdessen jeden Tag 4x500ml, also insgesamt zwei Liter des verdünnten Dr. Slym-Konzentrats und soll dazu außerdem die für Erwachsene üblichen zwei Liter Wasser trinken - das Produkt sei kein Flüssigkeitsersatz. Für eine 500ml-Portion Dr. Slym werden übrigens 30ml des Sirups mit einem halben Liter Wasser aufgegossen.

Ab Tag 3 ist sind zwei Mahlzeiten täglich erlaubt - Frühstück und Abendbrot mit je ca. 300kcal. Dafür gibt es eine Rezeptsammlung, die man kostenlos von der Webseite von Dr. Slym herunterladen kann und die bald als Kochbuch erscheinen soll. Die Rezepte klingen alle gut und machen auch einen simplen Eindruck. Zum Frühstück soll es da z.B. Knäckebrot mit Kräuterquark oder Pilzomelette geben, zum Abendessen Putenbrust mit gegrilltem Gemüse oder Meeresfrüchtepfanne mit Reis. Es handelt sich um Low-Carb-Mahlzeiten, die leider abends einen nicht geringen Kostenaufwand mit sich bringen. Ich werde vermutlich eher nach eigenem Ermessen essen - ich kann nicht jeden Abend eine andere Fleisch- oder Fischsorte zubereiten.

In Teil 2 geht es mit dem Selbsttest weiter ...

Donnerstag, Juli 28, 2016

10 Jahre!

Dieses Blog feiert in diesen Tagen sein 10-jähriges Bestehen. Im Sommer 2006 habe ich ihn, zwischen Abi und erstem Semester, begonnen. 
  • Seitdem wurde er knapp 100.000 mal aufgerufen, davon mehr als die Häfte (52.808) aus Deutschland, gefolgt von den USA (rund 12.000 mal), Schweden, Russland und Frankreich. Österreich und Schweiz liegen erstaunlich weit hinten.
  • Ich habe rund 750 Einträge verfasst, also im Schnitt 75 Posts pro Jahr ... mal waren es 30, mal 90.
  • Die meisten Besucher finden über bestimmte Suchbegriffe bei der Googleweb- oder Bildersuche hierher, z.B. wenn sie nach Fotos vom Aralsee, Emma Watson oder dem Leipziger Hafenprojekt suchen.
  • Rund drei Viertel der Besucher nutzen einen Windows- und 9% einen Mac-PC, von mobilen Endgeräten stammen nur sehr wenige Zugriffe. Rund die Hälfte surft mit Mozilla Firefox, 20% mit Chrome und tapfere 17% mit dem Internet Explorer.
Über die Jahre hat das Blog sich stark verändert. Von einem Online-Tagebuch, in das ich sogar meine Uni-Stundenpläne eingetragen und von Shopping- oder Kochergebnissen und vielen Privatheiten berichtet habe, ging es mehr und mehr in Richtung Leipziger Stadtgeschichte und -geschehen und Rezensionen (v.a. Filme, aber auch Konzerte, Bücher, Tonträger). Immer mal wieder gab es Projekte und Serien ("Anne testet sommerlich-hippe Getränke auf Flaschenoptik und vielleicht auch ihren Geschmack", die aktuelle Reihe über Erfurter Kirchen, ...). Seit dem Umzug nach Erfurt vor zwei Jahren wurden aus den Leipzig-Themen Erfurt-Themen. Ich habe euch daran teilhaben lassen, wie ich Thüringen, die Stadt und ihre v.a. kulturellen Angebote entdeckt habe - und nach wie vor entdecke. Mehr Bilder von den Ausflügen, Urlauben und meinen drei Heimaten gibt es nach wie vor hier.

Vielen Dank für euer Am-Ball-Bleiben, für das Lesen oder Mal-Gelesen-Haben, für das Blog-Entdecken und den ein oder anderen lieben, hilfreichen, ... Kommentar!

Montag, Juli 25, 2016

Filmrückschau

Vor der Morgenröte (2016) ... Maria Schrader kenne ich als wunderbare Schauspielerin, z.B. in dem deutschen Kinofilm Aimée & Jaguar von 1999. Dass sie auch noch selbst Filme macht, war mir neu. Dass sie das gut macht, davon habe ich mich anhand ihres zweiten Werkes Vor der Morgenröte neulich überzeugt. Die österreichisch-deutsch-französische Koproduktion erzählt von den Exiljahren des Wiener Autors Stefan Zweig, episodenhaft von 1936 bis zu seinem Freitod 1942.
Stefan Zweig ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Viele von euch kennen sicherlich seine Schachnovelle (1942) oder vielleicht auch seine fast romanhaften Biografien (z.B. über Napoléon, Magellan, Tolstoi). Zweig war um 1940 weltweit eine der angesehensten Künstlerpersönlichkeiten, auf seine Sicht auf weltpolitische Geschehnisse wurde großer Wert gelegt. So auch im fernen Südamerika, wo der überzeugte Pazifist einen Großteil seiner Exiljahre verbrachte. Der Film zeigt toll auf, wie er versucht, sich aus der Ferne eines eindeutigen Urteils zu erwehren, wie er in der neuen Heimat doch nie ganz heimisch wird. Das war wohl auch der Grund für den Suizid, den er gemeinsam mit seiner zweiten Frau Lotte im brasilianischen Petrópolis beging und mit dem der Film folgerichtig endet. Die Zerstörung seiner „geistigen Heimat Europa“ hatte ihn für sein Empfinden entwurzelt, seine Kräfte seien „durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns erschöpft“, so sein Abschiedsbrief (Quelle).
Der Film hat aber auch viele großartig-komische Momente zu bieten, zum Beispiel wenn ein brasilianisches Musikkorps verzweifelt versucht, einen Wiener Walzer zu schmettern, wenn Zweig von Dorf zu Dorf chauffiert wird und auf aufgeregte Provinzbürgermeister trifft oder er sich von seiner ersten Ehefrau den Kopf zurecht rücken lässt. Gekrönt wird das ganze von tollen Schauspielern und dem unwiederstehlichen Wiener Dialekt.

Freitag, Juli 22, 2016

Erfurt Gotteshäuser - Ägidienkirche


Ägidienkirche und Krämerbrücke (rechts) von Norden

Die Ägidienkirche am östlichen Krämerbrückenkopf ist sehr markant. Durch ihr Erdgeschoss verläuft ein Durchgang mit großem Torbogen, außerdem befindet sich hier ein Restaurant (in dem man sehr gut essen und Wein trinken kann). Der Kircheninnenraum befindet sich im zweiten Stock. Auf den für Erfurt typischen Turm mit quadratischer Grundform und 33m Höhe kann man übrigens für einen kleinen Obulus steigen. Man hat von hier so ziemlich die schönste Rundumsicht auf die Altstadt. Die Kirche steht direkt am malerischen Wenigemarkt und sorgt gemeinsam mit dem Brunnen in dessen Mitte, den vielen Freisitzen und schmucken Häusern für dessen fast mediterrane Anmutung.

Die Ägidienkirche vom Wenigemarkt aus.

Auch sonst ist die Kirche bemerkenswert. Sie ist die älteste von Methodisten benutzte Kirche der Welt. Vollendet wurde der gotische Bau um 1325. Die Kirche wurde schon immer als mehr als "nur" Gotteshaus genutzt. Im Mittelalter diente das Erdgeschoss als Verkaufsraum. Phasenweise gehörte die Kirche zum Schottenkloster (die Schottenkirche ist gleich um die Ecke), später zur Kaufmannsgemeinde (die Kaufmannskirche steht unweit am Anger). Bereits 1615 wurde der Gottesdienst eingestellt und die Kirche zum Lagerhaus umfunktioniert. Im frühen 20. Jahrhundert fungierte die Kirche als Mietshaus, erst seit 1960 ist sie wieder der Sitz der evangelisch-methodistischen Gemeinde.

Lage der Kirche im Zentrum der Altstadt

Montag, Juli 18, 2016

Cat Power - zum einschlafen schön

Die Kulturarena in - natürlich - Jena ist eine der Institutionen in Thüringen. Seit 25 Jahren finden hier am Jenaer Theaterhaus Sommer für Sommer tolle Konzerte, Filmvorführungen und Veranstaltungen für Kinder statt, open air auf dem Theatervorplatz. Im vergangenen Jahr haben wir hier schon an einem wunderbaren Augustabend Get Well Soon gesehen.

Am 14. Juli spielte hier die US-amerikanische Sängerin Cat Power, die ich von ihren Veröffentlichungen her ziemlich gut finde. Das Konzert war allerdings so lala. Die junge FRau mit der Gitarre bez. später am Flügel machte zwar schöne Musik, nahm vom Publikum allerdings keinerlei Notiz, reagierte kaum auf Applaus und spulte Lied an Lied ihr Programm ab. Die Zuhörer waren zunehmend gelangweilt, unterhielten sich größtenteils oder sahen mit gelangweilter Miene nach vorn. Schade, die Kulturarena bietet die Kulisse für weit mehr! Die einschläfernde Wirkung des Abends hat die Hessische Niedersächsische Allgemeine wunderbar in Worte gefasst - am Vorabend war Frau Power nämlich mit dem gleichen Programm in Kassel aufgetreten.

Cat Power und behütete Zuhörer

Freitag, Juli 15, 2016

Jena, Thüringens heimliche Kulturhauptstadt

Wenn man in Thüringen etwas in Sachen Kultur machen will, das nicht unbedingt was mit Goethe, Schiller & Co. zu tun hat, dann ist man in Jena am besten aufgehoben. Da gibt's zwar auch viel Goethe und Schiller, aber auch viel junge Literatur. In der jüngeren Vergangenheit hatte ich dort mehrmals das Vergnügen, schönen Veranstaltungen beizuwohnen.

Am vergangenen Wochenende erst fand dort das große Sommerfest der Thüringer Lesereihe "In guter Nachbarschaft" statt. Im Glashaus mitten im Paradies lasen ab 16.30 Uhr junge aufstrebende und bereits etablierte Autoren. Los ging es mit vier Preisträgern des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen, danach gab es ein Werkstattgespräch mit der scheidenen Jenaer Stadtschreiberin Kinga Toth. Im Anschluss hatten junge Nachwuchsautoren am offenen Mikrofon die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Den abendlichen Höhepunkt setzten mit Christoph Wenzel (Aachen), Anja Kampmann (Leipzig) und Björn Kuhligk (Berlin) drei arrivierte Namen der deutschen Gegenwartslyrik. Danach konnte man zu Musik von DJ Lutz Hartmann abzappeln. Organisiert und moderiert wurde der wunderschöne Tag von Julia Hauck, Peter Neumann und Mario Osterland, für die Bar war das "Kaffee Merle" an Bord.


v.l.n.r.: Björn Kuhligk, Anja Kampmann, Christoph Wenzel, Mario Osterland, Peter Neumann, Kinga Toth, Julia Hauck

Schon am Vorabend des Sommerfestes gab es in Jena Hochkarätiges zu bestaunen. Im Kulturbahnhof (Alter Saalbahnhof) fand das letzte Event der Reihe "Lyrik ist Happening" der Leipziger Musikerin Anne Munka statt. Gemeinsam mit zwei weiteren Musikern hat sie diese experimentelle Mischform aus Lyrik, Improvisation und Klangkunst schon in einigen deutschen Städten aufgeführt. Als Gastlyriker waren dieses Mal Bachmannpreisträgerin Nora Gomringer und die flämisch-holländische Dichterin Maud Vanhauwaertmit dabei. Unterhaltsam!

Ebenfalls im Kulturbahnhof Jena fand vor einiger Zeit die Veranstaltung "Jazztext Textjazz" des Kunsthof Jena e.V. statt. Zu Musik der Jazzformation random words lasen hier die Stadtschreiberin Kinga Toth, Romina Nikolic und Mario Osterland Lyrik und Prosatexte - Interaktion von Text und Jazz. Das hat überraschend gut funktioniert und eine spannende Eigendynamik entwickelt.

Mario Osterland im Kulturbahnhof

In der ungarischen Weinbar pici auf der Westbahnhofstraße fand im Juni ein Abend unter dem Motto "Literatur und Wein" statt. Der sommerlich-heiße Abend wurde von den Musikern Tim Helbig und Hannes Höfer eröffnet, die demonstierten, wozu Aufziehfrösche und Metallschüsseln so gut sein können. Anschließend lasen Stadtschreiberin Kinga Toth und der Heiligenstädter Stadtschreiber Arne Hirsemann sowie der Leipziger Autor Micul Jeute über alkoholische Getränke.

Tim Helbig und Hannes Höfer