Montag, August 14, 2017

Der Lese-Sommer in Erfurtjenaweimar

Volle Hütte bei Denis Scheck
Eine Großveranstaltung in meinem Thüringer Lese-Sommer, die ich nicht mehr missen möchte, sind die Thüringer Literatur- und Autorentage. Das mehrwöchige Festival fand in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Der Höhepunkt ist jedes Jahr das lange Wochenende auf Burg Ranis bei Pößneck Anfang/Mitte Juni. Dort habe ich in diesem Jahr u.a. Denis Scheck, Kinga Toth und Ulf Stolterfoht gehört, viele tolle Menschen getroffen, sehr lecker gegessen (und getrunken) und einen wunderbar sonnigen Tag auf der Burg verbracht.

Blick von Burg Ranis in die Orla-Senke


Mario Osterland
Fast genauso vielfältig war das Literaturfestival Juli im Juni, das Ende Juni in Weimar stattfand. An zwei Tagen lasen an verschiedenen Orten in der Klassikerstadt u.a. Isabelle Lehn, Max Czollek und Andreas Stichmann. Die Veranstalterinnen hatten sich zwei wunderbar laue Tage für ihr Festival ausgesucht, das immerhin auch schon seinen 15. Geburtstag feierte. Auf der offenen Lesebühne zeigte übrigens auch der Herzallerliebste, was er kann - am Text und der Maultrommel.

Lisa Goldschmidt
Am 30. Juni hieß es dann mal wieder In guter Nachbarschaft. Diesmal war Schillers Gartenhaus in Jena das Domizil der Lesereihe, mit seinem gemütlichen Wintergarten, von dem aus man einen tollen Blick in den großen Garten hat. Es lasen mit Joshua Schößler und Lisa Goldschmidt zwei Preisträger des Jugen Literaturforums Hessen-Thüringen, außerdem die Berliner Autorin Annika Scheffel, die aus ihrem aktuellen Romanmanuskript vorlas.

Freitag, Juni 09, 2017

Der Lese-Frühling in Erfurtjenaweimar

Marcus Roloff, Tim Helbig
Der Lese-Frühling begann im April mit der zwölften Ausgabe von In guter Nachbarschaft. In Kooperation mit dem Kunstverein Jena las der Frankfurter Autor Marcus Roloff in der Jenaer Galerie Stadtspeicher. Die Veranstaltung fand außerdem im Rahmen der langen Nacht der Museen statt. Roloffs Gedichte sind häufig Auseinandersetzungen mit Gemälden, Grafiken und Skulpturen oder gar Museen. Begleitet wurde er vom Jenaer Elektroakustiker Tim Helbig - das ergänzte sich hervorragend.

Am 23. April las Christoph Hein im Haus Dacheröden, Erfurts neuem Literaturhaus, betrieben vom Erfurter Herbstlese e.V. Er trug einem großen Publikum, dessen Altersschnitt ich drastisch senkte, einen Ausschnitt aus seinem neuesten Roman "Trutz" vor. Für Kulturrentner zur besten Sonntagsmatineezeit war das hörbar amüsant, für mich eher eine Zumutung. Das altersmilde Werk eines großen Schriftstellers, voller Dichterklischees und billigen Gags... Mit altehrwürdigen Herren ging es am 12. Mai weiter. Volker Braun las in der Thalia-Buchhandlung Jena - und der Liebste moderierte. Die gut besuchte Lesung kam gut an, Braun las quer aus seinem neuen Lyrikband, dem ersten seit elf Jahren.

Johanna Wieser und Luca Kieser
Besuch aus Österreich gab es im Mai. Johanna Wieser, eine der Herausgeberinnen der Wiener Literaturzeitschrift JENNY, war mit der aktuellen Ausgabe auf Lesereise durch Deutschland. Begleitet wurde sie von den Autoren Helene Bukowski, Max Oravin, Frank Ruf und Luca Manuel Kieser. Die vier lasen im Kunsthaus Erfurt, einer Galerie in der Altstadt. Die Veranstaltung fand wiederum im Rahmen der Erfurter langen Nacht der Museen und in Kooperation mit In guter Nachbarschaft statt.

Moderator und Autoren im Gespräch
Tags drauf gab es in der Weimarer Galerie Iconotop "Lyrik, Landkarten und Videospiel". Unter diesem Motto lasen die Autoren Tim Holland und Christian Schloyer aus ihren schon optisch außergewöhnlichen Gedichten. Tim Holland las aus der wabernden Textfläche "vom wuchern", die an eine Landkarte erinnert. Schloyer hatte seine neuen Gedichte dabei, die nach dem Jump'n'Run-Prinzip funktionieren - gleichzeitig projizierten beide Autoren ihre Texte an die Wand. Experimentelle Musik dazu gab es von Philipp McCarthy.

Dienstag, Juni 06, 2017

Filmrückschau: Alien-Edition

Ich habe ein Faible für kluge Weltraumabenteuer und Science Fiction-Filme. Da hat mich Hollywood in den vergangenen Jahren mit so unterhaltsamen wie cleveren Blockbustern verwöhnt: Von "Arrival" über "Interstellar" bis "Der Marsianer" und "Gravity". Auch weniger kommerzielle Filme wie "Moon" sind hier zu nennen.

HR Gigers Alien
Großes Aufsehen erregte es, als 2012 mit "Prometheus" die Alien-Reihe fortgeführt wurde. Diese hat ihren Ursprung in "Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" (Regie: Ridley Scott) von 1979 mit Sigourney Weaver, Ian Holm und John Hurt in den Hauptrollen. Ein wahnsinnig spannender, düsterer Film, der das Sci Fi-Genre neu erfunden hat und die Kinowelt um die erste überzeugende, weibliche Action-Heldin bereicherte. Vom Alien-Design HR Gigers ganz zu schweigen. 

Sigourney Weaver ist Ellen Ripley
Fortsetzungen erfuhr "Alien" (1986, R: James Cameron) mit "Aliens - Die Rückkehr" und Alien 3" (1992, R: David Fincher). Beide Filme schließen unmittelbar an den jeweiligen Vorgänger an und setzen die Kenntnis der Vorgeschichte weitestgehend voraus. Teil 3 floppte weitestgehend an den Kinokassen und bei der Kritik. Die jahrelangen Planungen für einen viertel Teil wurden dadurch erschwert, dass Sigourney Weaver zunächst nicht mitwirken wollte - dann wäre auch die Produktionsfirma ausgestiegen. Kein Alien ohne Ellen Ripley. Auch die Suche nach einem Regisseur gestaltete sich schwer. Am Ende verpflichtete man Jean-Pierre Jeunet ("Die fabelhafte Welt der Amélie"), weil man einen Filmemacher mit einem einzigartigen visuellen Stil suchte. In der Tat besticht der Film durch eine gewisse Steam Punk-Optik. "Alien - Die Wiedergeburt" rief gemischte Reaktionen hervor, war aber der kommerziell erfolgreichste Teil der Reihe.

Fassbender als Androide David
Dann war es lange Zeit ruhig im Alien-Universum, bis sich Altmeister Ridley Scott höchst persönlich um den nächsten Streich kümmerte: Das Prequel "Prometheus", das reichlich 30 Jahre vor "Alien" spielt. Meine Kurzkritik findet ihr hier. Es werden hochinteressante thematische Grundlagen für die "Alienreihe" geschaffen, die wiederum in "Alien: Covenant" (2017, R: Ridley Scott) fortgeführt werden. Er spielt rund 20 Jahre vor Ellen Ripleys erstem "Alien"-Abenteuer. Die Fans haben den jüngsten Film besser aufgenommen als "Prometheus" - "Alien: Covenant" mache verzeihbarere Fehler und sei weniger vorhersehbar. Letzteres kann ich ebenfalls unterschreiben. Doch wo andere die mythologische Aufladung in "Prometheus" unnötig fanden, habe ich sie als faszinierend empfunden. Und deren Fortführung in "Alien: Covenant" gefällt mir bald noch besser. [Spoiler:] Androide David (Michael Fassbender) aus "Prometheus" ist in den zehn Jahren zwischen den Filmen zu einem grausamen Wahnsinnigen mit Gott-Komplex geworden. Das beschert uns Zuschauern insbesondere einige zu Filmset gewordene Giger-Zeichnungen aus früheren Jahrzehnten. Yesss! "Alien: Covenant" ist um einiges düsterer, kompromissloser und blutiger als "Prometheus". Mein großer Kritikpunkt ist die Geschwindigkeit, mit welcher der Streifen durch die Handlung hetzt. Man hätte die Handlung, gequetscht in 122 Minuten, durchaus auf zweieinhalb Stunden ausdehnen können.

Im Schicksal von Dr. Elizabeth Shaw wird eine alte Giger-Zeichnung umgesetzt

Übrigens: Es sind laut Ridley Scott zwei Prequels zur "Alien"-Reihe geplant. Unter dem Arbeitstitel "Alien: Awakening" soll der nächste Teil zwischen "Prometheus" und "Covenant" spielen. Drehstart soll Sommer 2018 sein. Na, da bin ich ja mal gespannt...

Montag, Juni 05, 2017

Unterwegs in Thüringen: Rudolstadt und Paulinzella

Eigentlich wollte ich am Pfingstsonntag mit dem Rad von Jena nach Rudolstadt fahren. Doch das Wetter hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Hotelzimmer in der alten Residenzstadt war aber so oder so gebucht, also ging es mit der Bahn dorthin. Übrigens seine sehr reizvolle Strecke: Von Erfurt über Arnstadt in den Thüringer Wald hinein mit Halt u.a. in Stadtilm und Bad Blankenburg. In Saalfeld muss man umsteigen und ist wenige Minuten später in Rudolstadt.


Rudolstadt hat rund 22.000 Einwohner und liegt in einer malerischen Landschaft: Saaletal, bewaldete Hügel und ein für Thüringen sehr warmes Klima. Über der Stadt thront Schloss Heidecksburg, eine dreiflügelige Barockanlange mit Schlosshof, großem Garten und zahlreichen erhaltenen Wirtschaftsgebäuden. Der Name Heidecksburg rührt von einem Vorgängerbau, einer mittelalterlichen Burg. Im Schloss sind das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg und das Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt untergebracht. Man kann u.a. eine Naturaliensammlung, die alte Burgkappelle, eine Gemäldegalerie und den Burgbrunnen besichtigen. Das Herzstück jedoch sind die repräsentativen Wohn- und Festräume der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt - diese kann man im Rahmen einer Führung besichtigen.

Der kleine Altstadtkern von Rudolstadt ist überschaubar und sehr hübsch. Highlights sind das barocke alte Rathaus am Fuß des Schlossberges und das neue Rathaus am Markt im Neo-Renaissancestil, die etwas abgelegene Stadtkirche St. Andreas und das nahe gelegene Stadtschloss Ludwigsburg und natürlich das Schillerhaus. Dieses Anwesen hat der Familie von Schillers Frau Charlotte von Lengefeld gehört. Hier gab Ende des 18. Jahrhunderts regelmäßig Literatursalons und Liebhabertheater, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Herder, Fichte und Goethe waren mehrmals Gäste. Schiller hat hier Goethe das erste Mal getroffen und natürlich seine zukünftige Frau. Heute ist hier ein Literaturmuseum untergebracht, das Schiller gewidmet ist. Das Restaurant und der wunderschöne Garten sind ebenfalls einen Besuch wert!

Auf der Rückfahrt am Montag haben wir noch einen zweistündigen Halt in Paulinzella gemacht. Paulinzella ist ein Ortsteil der Stadt Königsee-Rottendorf und gleichzeitig der Name der ehemaligen Klosteranlage. Von der sind heute noch ein paar Wirtschaftsgebäude und die wunderschöne Kirchenruine vorhanden, außerdem das fürstliche Jagdschloss, in dem Ausstellungen über das Kloster und die Jagd- und Forstwirtschaft untergebracht sind. Außerdem gibt es einen wunderschönen Kräutergarten, der frei zugänglich ist. Hier kann man verschiedene Kräuterprodukte erwerben.

Dienstag, Mai 16, 2017

Filmrückschau

5 Zimmer Küche Sarg (2014) ... Diese knapp 90 Minuten hat jeder übrig. So ein origineller, kurzweiliger Film! Vier Vampire, zwischen grünen 183 und sportlichen 8.000 Jahre alt, wohnen in einer WG im Neuseeländischen Wellington. Sie haben sehr verschiedene Charaktere und Ansichten über das Nicht-Leben, kommen abgesehen vom Putzplan aber gut miteinander klar. Bis Abendessen Nick in ihr Leben schneit...
Die auf Dokumentation gemachte neuseeländische Produktion holt wirklich alles aus dem Thema raus. Der Film ist hervorragend recherchiert und eindeutig eine Herzensangelegenheit der beiden Regisseure, die gleichzeitig die Drehbuchautoren und zwei der Hauptdarsteller sind. Alle Daumen hoch!

Quelle

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016) ... J.K. Rowling schreibt nun einfach gleich Drehbücher, anstatt den mühseligen Umweg über einen Roman zu gehen. "Phantastische Tierwesen..." ist der Auftakt einer geplanten Pentalogie, die im Harry Potter-Universum spielt - 70 Jahre vor der Handlung der sieben Bücher - und auf Begleitbüchern der Buch- und Filmreihe basiert. Und so sind einige auftauchende Figuren und Namen dem Leser bzw. Zuschauer auch schon bekannt, etwa Gellert Grindelwald. Der Filmtitel entspricht dem des Zaubererlehrbuches, das im ersten Harry Potter-Film "Harry Potter und der Stein der Weisen" erwähnt wird.
Das hätte ziemlich arg in die Hose gehen können, aber die hervorragende Besetzung (Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Colin Farrell, "A fine Frenzy"-Sängerin Alison Sudol, Ezra Miller) und die liebevolle Ausgestaltung verhindern das. Außerdem ist die Geschichte spannend und, ja, auch die Effekte sehen ziemlich gut aus. Dieser erste von fünf weiteren Teilen der bereits achtteiligen Geldmaschine hat also seine Berechtigung.

Quelle
Maleficent (2014) ... Die klassische Disney-Dornröschen-Story aus einer anderen Perspektive. Wir lernen hier, wie aus der einst guten Fee eine angsteinflößende, rachsüchtige, im wahrsten Wortsinne gehörnte Frau wurde. So böse, dass sie sogar das Kind ihres Verflossenen verflucht, der sie ziemlich arg hat sitzen lassen. Schöne Idee, aber mit ein bisschen viel Fantasy-Kitsch umgesetzt. Außerdem ist Angelina Jolie in meinen Augen einfach keine gute Schauspielerin.


Freitag, April 07, 2017

Filmrückschau: Die Deutsche Miniserie

ARD und ZDF haben aktuell jeweils mit einer aufwändigen Miniserie aufgewartet, die sich jeweils mit einem Kapitel der deutschen Geschichte befassen. 

"Charité", das in den vergangenen fünf Wochen jeweils dienstags, 20.15 Uhr im Ersten lief, handelt von dem weltberühmten Berliner Krankenhaus und spielt zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die historischen Hauptfiguren sind Ärzte wie Robert Koch, Emil Behring, Paul Ehrlich und Rudolf Virchow, denen wir z.B. den Impfstoff gegen Tetanus und Diphterie, die Chemotherapie und die Entdeckung der Bakterien zu verdanken haben. 
In diesen historischen Kontext hinein werden ein paar Herzschmerz-Storys gepackt: eine Hilfspflegerin Ida, die eigentlich eine verarmte Arzttochter ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als Medizin zu studieren. Ihre unglückselige Liaison mit dem Medizinstudenten und Burschenschafter Georg, der ihre Ambitionen ablehnt, ihre Affäre mit Emil Behring, dem melancholischen Opiumabhängigen. Das unstandesgemäße Tête-á-tête zwischen Robert Koch und der Varieté-Darstellerin Hedwig, das übrigens historisch belegt ist. Die Scheidung Kochs von seiner Frau für Hedwig war damals ein gesellschaftlicher Skandal (und Scheidungen selbst erst seit 15 Jahren rechtens).
So sehr stören diese manchmal kitschigen Entgleisungen aber gar nicht, denn die Serie sieht zum einen fantastisch aus und ist zum anderen ziemlich gut besetzt. Neben den männlichen Stars (z.B. Justus von Dohnányi als Robert Koch) sticht besonders Alicia von Rittberg als Ida Lenze heraus: eine starke Frauenfigur, deren emanzipatorische Tendenzen tatsächlich nur selten peinlich wirken. Und dass Produktionen ohne die obligatorische Liebesmüh es in Deutschland nicht ins Hauptprogramm schaffen, ist bekannt.

Dr. Virchow ahnt: das Tuberkulin von Robert Koch wirkt nicht (Quelle)

"Der gleiche Himmel" ist ein deutsch-deutsches Agentendrama, das im Sommer 1974 spielt. Es wurde in drei 90-Minütern innerhalb einer Woche im ZDF ausgestrahlt. Tom Schilling spielt hier den DDR-"Romeoagenten" Lars, der dazu ausgebildet wurde, über romantische Affären an politisch wichtige Geheimnisse zu kommen. Der erste Einsatz des 25-jährigen Ostberliners ist es, die Datenanalystin des britischen Gemeindienstes Lauren Faber zu verführen. 
Hinsichtlich der Ausstattung ist "Der gleiche Himmel" mindestens genauso grandios wie "Charité" - die Autos, die Schlaghosen, die Wohnzimmer! Sonst stinkt die ZDF-Produktion aber ein bisschen ab. Die Drehbuchautoren haben versucht, so viele DDR-BRD-Gemeinplätze wie möglich unterzubringen, und das teilweise ziemlich unmotiviert und zusammenhangslos: Fluchttunnel und Doping im Leistungssport, Gefängnisse und IM-Rekrutierung der Stasi, Homosexuelle in der DDR, ideologischer Lehrplan an Schulen, Systemzweifel, Westverlockungen, RAF, Familientrennung nach dem Krieg... Und dann gibt es auch noch Geschwister, die nichts davon wissen und eine Beziehung eingehen! Die miserable Nachsynchronisation vieler Szenen setzt dem ganzen noch die Krone auf. Da helfen auch Tom Schilling (dem die Rolle leider nicht steht), Ben Becker, Anja Kling und Jörg Schüttauf nicht weiter.

Lars bekommt die nächsten Anweisungen von seinem Vorgesetzten (Quelle)

Mittwoch, März 15, 2017

Filmrückschau

T2 Trainspotting (2016) ... Oh, was hätte da alles schiefgehen können. Ein peinlicher Film über die erwachsenen Schatten der Trainspotting-Helden Mark, Spud, Sick Boy und Begbie. Aber damit quält Regisseur Danny Boyle, der auch schon den ersten Teil gedreht hatte, die Zuschauer Gott sei Dank nicht.
Ich habe den Film als eine Art Aufarbeitung des Vorgängers empfunden. Mark kehrt nach Edinburgh zurück und natürlich beginnt damit der Konflikt: Am Ende des ersten Teils war er schließlich mit dem gesamten Geld aus dem Drogendeal abgehauen und Sick Boy sowie der frisch aus dem Knast geflohene Begbie haben nun noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Ich finde, dass das alles authentisch und schlüssig gelöst wird. Aber an die Originalität des ersten Teils kommt T2 (natürlich) nicht heran.


Sully (2016) ... Man hätte diese Story ordentlich gegen die Wand fahren können. Man hätte einen effektgeladenen Beinahe-Katastrophen-Film machen, man hätte Michael Bay oder Roland Emmerich ranlassen können.
Hat man aber nicht. Stattdessen hat Clint Eastwood einen klugen und für das Thema überraschend leisen Film darüber gemacht, wie es einem Piloten (Tom Hanks) geht, der gerade ein Flugzeug im Hudson River notgelandet hat. Wie er sich nicht sicher ist, alles richtig gemacht zu haben, wie er von den Medien herumgereicht und von der Flugsicherheitsbehörde vernommen wird. Wie der Flugzeughersteller sich aus der Schuld winden will und die ganze Welt ihn als Helden feiert. Tom Hanks verkörpert den Piloten Chesley "Sully" Sullenberger sehr glaubhaft, irgendwo zwischen Einschüchterung und Selbstbewusstsein. Die 96 Minuten kann man ruhig mal übrig haben!
p.s.: Wer sich nicht mehr erinnert - Der Film behandelt dieses wahre Geschehen aus dem Januar 2009.

Silver Linings (2012) ... Schräger, unterhaltsamer Film - aber die Erwartungshaltung, die er durch sein gutes Abscheiden bei Oscar-Verleihung & Co. ausgelöst hat, konnte er dann doch nicht erfüllen. Es scheinen halt einfach keine Jennifer Lawrence-Filme ohne Liebeskitsch möglich zu sein, wie neulich schon in Passengers. Es gibt zwar viele sehr charmante, originelle Szenen, unterm Strich ist der Streifen aber um einiges konventioneller als gedacht. Immerhin: Ich mag Bradley Cooper jetzt mehr als vorher. Und für einen Tanz- und Sportwetten-Film ist Silver Linings doch ziemlich gut geraten ;)


Freitag, März 10, 2017

Der Lese-Winter in Erfurtjenaweimar

Nachdem ich so etwas im Herbst schon einmal gemacht habe, möchte ich das auch in diesem Quartal fortführen.

Musik mit Robert Wenzl
In Guter Nachbarschaft - XMAS EDITION ... Die Lesereihe In guter Nachbarschaft hat im vergangenen Dezember ein besonderes Dankeschön für ihre Stammpublikum vorbereitet: Zur Weihnachtsausgabe im Jenaer Merle Stankowski wurde kein Eintritt verlangt, dafür aber ein Programm mit vielen Überraschungen geboten. Eröffnet wurde der Abend von Ralf Schönfelder vom Lesezeichen e.V. mit einer Laudatio, live aus Lübeck zugeschaltet war Kinga Toth, es gab tolle Musik von Robert Wenzl & Band, dazu fremde und eigene Texte, gelesen von den Organisatoren. Eine umfassende Rückschau auf den Abend gibt es hier.

Tim Holland und M. Scheidewandt
vom wuchern / Tim Holland ... In Kooperation mit der ACC Galerie Weimar gab es im Januar schon die nächste Veranstaltung von In guter Nachbarschaft. Der Berliner Autor Tim Holland las im Rahmen der Ausstellung "Alle Achtung! - Zur Ökonomie der Aufmerksamkeit" aus seinem Debüt vom wuchern. Dazu gab es moderne Klarinettenmusik von Moritz Scheidewandt, dem es gelungen ist, Stücke auszusuchen, die Hollands wuchernde Texte wunderbar ergänzt haben. Eine bebilderte Rückschau gibt es hier.

Die Initiatoren stellen sich vor.
Watch us grow ... Und wieder In guter Nachbarschaft, aber diesmal in Kooperation mit gleich vier weiteren Kulturinitiativen: dem Literaturfestival Erfurt, dem hEFt, dem HANT - Magazin für Fotografie und der Salzburger Literaturzeitschrift und Verlag mosaik. Dementsprechend viefältig war auch das Programm in der Frau Korte am Erfurter Nordbahnhof - jede Initiative steuerte eine/n Autor/in bei. Für IGN war wiederum Kinga Toth am Start, für unsere Freunde aus Österreich Alke Stachler. Mehr Infos gibt es hier in der Nachlese auf dem Blog der Nachbarschaft.

Kinga Toth - Vernissage: Wir bauen eine Stadt ... Kinga Toth zum Dritten: die ehemalige Jenaer Stadtschreiberin eröffnete in der Villa Rosenthal ihre eigene Ausstellung mit einer eindrücklichen Performance. Die Grafiken rund um ihren Gedichtband Wir bauen eine Stadt und ihre Zeit in Jena sind noch bis 29. März in der Villa zu sehen.

Ralf Schönfelder stellt Kinga Toth in der Villa Rosenthal vor.


Sonntag, März 05, 2017

Filmrückschau - Outer Space

Prometheus (2012) ... Als großer Fan der Alien-Reihe mit Sigourney Weaver habe ich mich lange um Prometheus gedrückt, der als eine Art eigenständiges Prequel zum ersten Alien-Film fungiert. Dabei sprach von Anfang an sehr vieles für den Film: sowohl die Besetzung mit u.a. Michael Fassbender und Noomi Rapace als auch der verantwortliche Regisseur Ridley Scott, von dem auch besagter erster Alien-Film von 1979 stammt.
Neulich habe ich ihn dann also endlich mal geschaut. Und was soll ich sagen - ist finde, die Vorgeschichte zur Science Fiction-Reihe ist fantastisch gelungen. Es gibt viele schlüssig gelöste Anknüpfungspunkte zum ersten Alien-Film, zum Beispiel hinsichtlich der kryptischen Warnung, wegen der die Besatzung der "Nostromo" geweckt wird, hinsichtlich des mysteriösen Raumschiffwracks und auch für die Herkunft des Aliens wird ein Vorschlag gemacht. Dazu kommt eine spannende Geschichte voller philosophischer Aspekte - es wird z.B. der Ursprung der Menschheit geklärt. 
Ich bin jetzt sehr gespannt auf die Fortsetzung Alien: Covenant, die in diesem Jahr anlaufen wird. Sie stammt wiederum von Ridley Scott und soll um einiges düsterer, spannender und gruseliger geraten sein als Prometheus.

Der Marsianer (2015) ... Matt Damon muss also mal wieder gerettet werden. Das musste er schon 1998 in Der Soldat James Ryan, zuletzt lost in space war er 2014 in Interstellar. Der Film ist eine etwas wilde Mischung aus Komödie und Weltraum-Drama und wird von der Kritik vor allem wegen seiner recht realistischen Darstellung des aktuell technisch Möglichen gelobt. Unterm Strich fand ich Der Marsianer sehr unterhaltsam und auch spannend, aber auch recht konventionell gemacht.

Passengers (2016) ... Klassischer Fall von: Cooler Grundkonflikt, aber mit einer Liebesgeschichte verdünnt. Mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence hat man sich dafür auch ein passendes attraktives Schauspieler-Duo ausgesucht. Der Film ist optisch eine Augenweide - sehr stylisch und auf Hochglanz poliert -, und auch die Schauspieler überzeugen. Für mich hätte es aber so viel Romantik im All nicht gebraucht. Die bringt ein paar 08/15-Handlungsmuster hinein, über die ich mich geärgert habe.

Arrival (2016) ... Der unkonventionellste Science Fiction-Film, den ich je gesehen habe. Es ist schon beeindruckend, als weltrettende Hauptfigur eine Sprachwissenschaftlerin zu wählen. Und so wundert es auch nicht, dass der Film sich an ein etwas intellektuelleres Publikum richtet - Weltraum-Action gibt es keine. stattdessen kühle Gedankenkonstrukte und moralische Dilemmata. Und es kommen sogar Sprach- und Wahrnehmungstheoretiker auf ihre Kosten. Ich werde den Film mit dem Abstand weniger Monate noch ein zweites Mal schauen - mal sehen, was ich dann noch entdecke bzw. verstehe.

Freitag, Januar 13, 2017

Filmrückschau - Vampir-Edition

Es gibt ja viele populäre Filme über Vampire. Einige davon habe ich bereits gesehen, z.B. den modernen Klassiker "Interview mit einem Vampir" (1994), "Bram Stoker's Dracula" von F. F. Coppola (1992) und die Mutter aller Wiedergänger-Streifen "Nosferatu - Eine Sinfonie des Grauens". Die meisten Vampirabenteuer diesseits der Jahrtausendwende, z.B. "Van Helsing" (2004), "Fright Night" (2011) oder die unsägliche Twilight-Saga (2008-2011) bleiben dagegen eher blass. Noch nicht gesehen habe ich die parodistische Vampirkomödie "5 Zimmer Küche Sarg", der steht allerdings durchaus auf meiner Liste. In dieser Woche habe ich zwei weitere Beispiele des Genres geschaut.

From Dusk Till Dawn (1996) ... Eigentlich merkwürdig, dass ich als alter Tarantino-Freund diesen Streifen noch nie gesehen hatte. Er zeigt sich als Drehbuchautor und einer der Hauptdarsteller verantwortlich, Regie führte der kongeniale Robert Rodriguez (Sin City). 
Den ziemlich kurzen Film (ca. 100 Min.) kann man eigentlich in zwei Teile splitten: der erste Teil ist eine knallharte Gaunerkomödie, in der die Brüder Seth (George Clooney) und Richard Gecko (Tarantino) einen Überfall begehen, eine Geisel töten und schließlich die Familie Fuller (Harvey Keitel, u.a.) samt ihres Wohnmobils kidnappen und nach Mexiko fahren. In Mexiko angekommen, beginnt eine B-Movie-mäßige Metzelei zwischen der kleinen Gruppe und einem Haufen blutrünstiger Vampire in einer heruntergekommenen Stripbar. Je nach dem, welche Version ihr von dem Film seht (neben der originalen Version gibt es noch entschärfte, die ebenfalls FSK 18 sind, und eine um 17 Minuten gekürzte FSK 16-Fassung), fällt dieses Gemetzel mehr oder weniger explizit aus.
Der Film ist voller origineller Ideen und Anspielungen, aber ehrlichgesagt hat mir nur der erste der oben beschriebenen Teile wirklich zugesagt, weil mir das Gemetzel einfach zu dilettantisch gemacht ist (wenn auch absichtsvoll).

Only Lovers Left Alive (2013) ... Das komplette Gegenprogramm. Jim Jarmusch hat hier einen hochpoetischen, ästhetischen Film gemacht, der die Vampire zwar als anmutige, uralte Wesen aus einer anderen Zeit darstellt, ihnen aber sehr menschliche Züge verleiht. Sie fliegen erster Klasse, aber natürlich nur nachts, kaufen sich Blues und Postrock auf Vinyl, Gitarren und tragen stylische Sonnenbrillen. Aber mit der modernen Welt kommen sie ganz unterschiedlich klar. Adam (Tom Hiddleston), ein begnadeter Musiker, machen die modernen Menschen, die er Zombies nennt, krank. Er sehnt sich nach früheren Jahrhunderten, als es in Wissenschaft und Kunst noch Genies gegeben hat. Seine Geliebte Eve (Tilda Swinton) hat sich mit dem 21. Jahrhundert hingegen gut arrangiert.
Man mag es jetzt kaum vermuten, aber der Film ist neben aller Melancholie auch urkomisch und wirklich empfehlenswert (wenn auch nicht Jarmuschs größter Wurf). Tilda Swinton und Tom Hiddleston geben ein phantastisch schönes Paar ab!